Welche Wirkung haben Bürger-Webseiten, die auf die lokale Ebene zielen?

Ende 2010 erschienen die Ergebnisse eines britischen Forschungsberichtes über die Wirkung von lokalen Webseiten in Bürgerhand, die auf den örtlichen Raum abzielen, d.h. auf Vorgänge, Aktivitäten und Gemeinschaften auf lokaler Ebene.Zu diesen Webseiten zählen örtliche Online-Communities, Blogs, die sich auf ein bestimmtes Viertel beziehen, lokale Informations- und Diskussionsplattformen usw.

Die Online Neighbourhood Networks Study untersuchte 160 Bürger-Webseiten im Grossraum London und interviewte über 500  Personen (mehr zum Forschungsdesign hier). Sie entwirft eine Typologie von lokalen Bürgerwebseiten und sortiert sie in ein Schema, das nach zivilgesellschaftlichem Zweck und Häufigkeit der Online-Interaktion fragt.

Neighbourhoodstudy
Quelle:(Flouch/Harris 2010, S. 2)

In der Kurzzusammenfassung der Studie sind die wichtigsten Ergebnisse zu lesen: die lokalen, nachbarschaftsorientierten Webseiten verstärken die Bindung zwischen den beteiligten Menschen und bauen soziales Kapital auf. Bürger, die sich auf den online-Seiten engagieren haben das Gefühl, auf lokale Entscheidungen besser Einfluß nehmen zu können. Dreiviertel der Befragten sind der Ansicht, dass die Partizipation auf der Webseite die Partizipation der Bürger offline fördert. Die bürgerschaftlichen Webseiten mit lokalem Bezug sind speziell auch für jene Menschen attraktiv, die sich anonsten in keiner lokalen Gruppe engagieren.

Die Diversität der Nutzer ist noch verbesserungswürdig. Es dominieren auf den Webseiten bestimmte Milieus, d.h. das "bridging social capital" der Seiten bzw. das soziale Kapital, das Brücken zwischen unterschiedlichen Gruppen schlägt, ist noch ausbaufähig. 

Wo sich die örtliche Verwaltung und Stadträte auf die bürgerschaftlichen Webseiten einlassen, verbessert sich das Verhältnis zwischen Bürgern und Verwaltung. Dies bietet die Chance für Koproduktionsprozesse, d.h. für die Einbindung von Bürgern in die Planung und Erstellung öffentlicher Leistungen.