Mein Bloggerkollege Hannes Jähnert hat mich um ein Feedback zu der Broschüre "Management von Online-Volunteers" gebeten, die er gemeinsam mit Lisa Dittrich unter der Mitarbeit von Thomas Kegel (Akademie für Ehrenamtlichkeit Deutschlands) verfasst hat.
Über die allgemeinen Verdienste der Veröffentlichung haben sich schon andere geäußert. Ich möchte direkt ein paar inhaltliche Punkte ansprechen:
1. Online-Freiwilligentätigkeir wird in der Broschüre definiert als Tätigkeit, die u.a. "teilweise oder komplett über das Internet (...) geleistet wird" (S. 55). Diese Definition bzw. das "teilweise" ist mir persönlich zu weit gefasst. Heutzutage ist für viele Menschen und Vereine das Internet ein alltägliches Hilfsmittel geworden. Zumindest Mails verschicken doch die meisten. Ist also jeder, der seine ehrenamtliche Arbeit auch über Mails koordiniert, automatisch ein "Online-Volunteer"?
Ich habe den Begriff "Online-Volunteering" oder "Online-Freiwilligenarbeit" bisher für ehrenamtliche Tätigkeiten benutzt, die weitgehend über das Internet erbracht werden. Dies schliesst Offline-Kontakte und -Treffen nicht aus, - aber entscheidend für die Begriffswahl ist die Tatsache, dass die Tätgkeiten hauptsächlich online erfolgen. Ich würde also ganz klar zwischen Online-Volunteering und einem lediglich internetgestützten Bürgerengagement, in dem das Internet zur wechselseitigen Kommunikation und Koordination eingesetzt wird, unterscheiden.
Neue Formen des Engagements, die das Netz hervorbringt, könnte man - wie es die Studie von Rauschenbach (2011) macht - durchaus als "Engagement 2.0" bezeichen, auch hier würde ich nicht den Begriff "Online-Engagement" wählen, der mir zu internetlastig ist.
2. Das Freiwilligenmanagement-Konzept für die Online-Volunteers, das in der Broschüre entworfen wird, lehnt sich sehr an das Freiwilligenmanagement-Konzept der Akademie für Ehrenamtlichkeit an. Immerhin wird betont, wie wichtig die "institutionelle Passung" (S. 21), also die laufende Anpassung einer Freiwilligenorganisation ist, um den "Ansprüchen, Bedürfnissen und Wünschen ihrer Engagierten gerecht zu werden" (Jähnert et al. 2011, 21). Das scheint mir ein etwas anderer Akzent zu sein, als der des Management-Konzepts der Freiwilligenakademie. Ob die Hoffnungen, die auch von Jähnert in Engagementvereinbarungen und Policies gesteckt werden, sich für die Freiwilligen bewähren, oder ob diese Instrumente von den Zielen der NPO dominiert sein werden, steht noch dahin.
Unabhängig von semantischen Fragen ist das Online-Volunteering ein wichtiges Phänomen, dem in Zukunft noch mehr Bedeutung zukommen wird. Die Perspektiven, die es immobilen Menschen bietet, sind großartig. Und es ist auch mit Hannes' Verdienst, wenn das Thema heute größere Kreise zieht als noch in der jüngsten Vergangenheit.